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Wohnen und arbeiten in Liechtenstein: was geht und was nicht
8 Min. Lesezeit · Veröffentlicht am 18. September 2026
Liechtenstein vergibt pro Jahr 28 Aufenthaltsbewilligungen an EWR-Bürger im ordentlichen Verfahren und 28 weitere per Los. Wer hier arbeiten will, zieht deshalb meist nicht zu, sondern pendelt ein: 24'943 Menschen taten das 2024, 57 Prozent aller Beschäftigten. Dieser Beitrag zeigt beide Wege mit Zahlen.
Darf ich als EU-Bürger nach Liechtenstein ziehen?
Nur mit einer Aufenthaltsbewilligung — und die Zahl dieser Bewilligungen ist gedeckelt. Liechtenstein hat beim EWR-Beitritt eine Sonderlösung im Personenverkehr ausgehandelt: Die Personenfreizügigkeit gilt hier nicht unbegrenzt, sondern in Kontingenten. Das ist der entscheidende Unterschied zu jedem anderen EWR-Staat. Ein Arbeitsvertrag allein gibt dir kein Wohnrecht.
Die Regierung legt die Höchstzahlen fest (Art. 10 Personenfreizügigkeitsgesetz). Auf die Frage einer Abgeordneten bezifferte sie das Kontingent im Dezember 2025 so:
- 28 Bewilligungen im Jahr an erwerbstätige EWR-Staatsangehörige im ordentlichen Verfahren
- 28 weitere im Jahr über die Auslosung — dazu unten mehr
- 12 Bewilligungen im Jahr an Schweizer Staatsangehörige
- Kein Kontingent für Drittstaatsangehörige — die Zahl der erteilten Bewilligungen bewegt sich dort laut Regierung «regelmässig in einem tiefen einstelligen Bereich»
Aufenthaltsbewilligungen pro Jahr an erwerbstätige EWR-Bürger: 28 im ordentlichen Verfahren, 28 per Auslosung
Regierung des Fürstentums Liechtenstein, Antwort auf die Kleine Anfrage «Aufenthaltsbewilligung bei Erwerbstätigkeit», 05.12.2025Für eine Bewilligung im ordentlichen Verfahren brauchst du einen mehr als einjährigen oder unbefristeten Arbeitsvertrag mit angemessenem Beschäftigungsgrad — und es muss dir unzumutbar sein, als Grenzgänger zu arbeiten (Art. 20 PFZG). Genau diese Zumutbarkeit ist die hohe Hürde: Wer in Buchs, Feldkirch oder Sargans wohnen könnte, bekommt in aller Regel keine Bewilligung.
Wie klein die Gruppe ist, zeigt der Bestand: Anfang Dezember 2025 waren 555 Personen mit einer Aufenthaltsbewilligung (B) und dem Zulassungsgrund «Erwerbstätigkeit» erfasst — 507 von ihnen arbeiteten in Liechtenstein, fünf in der Schweiz.
Personen mit Aufenthaltsbewilligung (B) zum Zweck der Erwerbstätigkeit, Stand Anfang Dezember 2025
Regierung des Fürstentums Liechtenstein, Kleine Anfrage, 05.12.2025Zwei Dinge, die oft falsch verstanden werden: Die Bewilligung gehört dir, nicht deinem Arbeitgeber — eine Bindung an eine bestimmte Stelle oder Branche ist EWR-rechtlich unzulässig. Und der Familiennachzug läuft ausserhalb des Kontingents; er ist laut Regierung sogar der zahlenmässig häufigste Zulassungsgrund überhaupt.
Wie läuft die Auslosung der Aufenthaltsbewilligungen?
Die Hälfte der Bewilligungen wird verlost — ein Verfahren, das es in dieser Form in keinem anderen europäischen Land gibt. Es steht in Art. 37 des Personenfreizügigkeitsgesetzes und läuft zweistufig, mit einer Vor- und einer Schlussauslosung. Durchgeführt wird es periodisch vom Ausländer- und Passamt.
- Du meldest dich für eine Auslosung an. Ein Anspruch auf Teilnahme-Erfolg besteht nicht.
- In der Vorauslosung wird die Reihenfolge bestimmt, in der Schlussauslosung fallen die Bewilligungen.
- Wirst du gezogen, hast du sechs Monate Zeit, das Recht auch einzulösen — danach erlischt es.
- Das gezogene Recht ist höchstpersönlich und nicht übertragbar. Du kannst es weder verkaufen noch weitergeben.
Auch für die verlosten Bewilligungen gelten die übrigen Voraussetzungen weiter — das Los ersetzt den Arbeitsvertrag nicht, es ersetzt nur die Zumutbarkeitsprüfung. Und es gibt eine Sonderregel, die für Arbeitgeber wichtig ist: Wird eine bewilligungspflichtige Stelle frei, weil die bisherige Person sich ins Ausland abmeldet, pensioniert wird oder stirbt, kann sie mit einer Ersatzanstellung neu besetzt werden. Wird die Frist dafür nicht genutzt, wandert die Bewilligung zurück in die reguläre Vergabe oder in die Auslosung.
Nach fünf Jahren ununterbrochenem Aufenthalt entsteht ein Recht auf Daueraufenthalt (Art. 24 PFZG). Bis dahin musst du die Erwerbstätigkeit aufrechterhalten, sonst prüft das Ausländer- und Passamt den Widerruf von Amtes wegen. Nach drei Jahren darfst du immerhin in der Schweiz oder einem anderen EWR-Staat arbeiten und trotzdem in Liechtenstein wohnen bleiben.
Was kostet eine Wohnung in Liechtenstein?
Teurer als in der Schweiz — und das will etwas heissen. Die amtliche Erhebung ist die Volkszählung; sie fragt die Mietpreise alle fünf Jahre ab. Der jüngste verfügbare Stand ist der 31. Dezember 2020, denn die Ergebnisse liegen erst 20 bis 24 Monate nach dem Stichtag vor. Die Zahlen sind also ein Anhaltspunkt, kein Tagespreis:
- CHF 1'747 durchschnittliche Bruttomiete über alle Wohnungsgrössen
- CHF 1'963 für eine 4-Zimmer-Wohnung — die häufigste Grösse am Mietmarkt
- CHF 1'652 für eine 3-Zimmer-Wohnung
- CHF 2'182 für Wohnungen aus der Bauperiode 2016 bis 2020, also 47 Prozent mehr als für Altbauten vor 1919
durchschnittliche monatliche Bruttomiete für eine 4-Zimmer-Wohnung, Stichtag 31.12.2020 (jüngste amtliche Erhebung)
Amt für Statistik Liechtenstein, Publikation «Mietpreise 2020» (394.2020.01.1), erschienen 15.12.2022Im Vergleich: Die durchschnittliche Nettomiete lag in Liechtenstein bei CHF 1'622, in der Schweiz bei CHF 1'373 — also 18 Prozent tiefer. Nur der Kanton Zug war 2020 teurer als Liechtenstein.
Zwischen den Gemeinden bewegten sich die Bruttomieten von 10 Prozent unter bis 17 Prozent über dem Landesschnitt. Über dem Durchschnitt lagen Planken, Ruggell, Vaduz und Schaan — in den übrigen Gemeinden, etwa Triesen, lagen sie darunter. Ein Teil dieser Unterschiede geht auf das Alter und die Grösse des jeweiligen Wohnungsbestands zurück, nicht nur auf das Preisniveau.
Der Mietmarkt ist zudem klein: Bei der Volkszählung 2020 waren 17'571 Wohnungen bewohnt, und nur 47 Prozent davon waren gemietet — die Hälfte wird von den Eigentümern selbst bewohnt. Wer eine Bewilligung hat, muss also immer noch eine Wohnung finden.
Krankenkasse: Pflicht, sobald du hier wohnst
Wer in Liechtenstein Wohnsitz nimmt, muss sich hier obligatorisch krankenpflegeversichern. Die Prämie zahlst du selbst, sie ist nicht einkommensabhängig, und sie ist für 2026 um 5,1 Prozent gestiegen. Zugelassen sind drei Kassen — Concordia, FKB und SWICA. Für Erwachsene unter dem Rentenalter gelten bei gesetzlicher Kostenbeteiligung diese Monatsprämien:
- CHF 378.00 bis CHF 414.70 im Monat ohne Unfalldeckung — die hat in der Regel dein Arbeitgeber abgedeckt
- CHF 392.00 bis CHF 438.80 im Monat mit Unfalldeckung
- Kinder bis 16 zahlen weder Prämie noch Kostenbeteiligung, Jugendliche bis 20 die halbe Erwachsenenprämie
Monatsprämie der obligatorischen Krankenpflegeversicherung für Erwachsene ohne Unfalldeckung, je nach Kasse, 2026
Amt für Gesundheit, Prämienübersicht 2026 zur obligatorischen Krankenpflegeversicherung, 30.09.2025Dazu kommt die Kostenbeteiligung: ein fester Betrag von CHF 500 im Jahr plus 20 Prozent Selbstbehalt auf die Kosten zwischen CHF 500 und der Hochkostengrenze von CHF 5'000 — zusammen höchstens CHF 1'400 im Jahr. Wer eine freiwillig höhere Kostenbeteiligung wählt, zahlt weniger Prämie: bei CHF 4'000 festem Betrag sinkt sie auf CHF 238 bis 271 im Monat.
Was sonst vom Lohn abgeht — AHV, IV, FAK, Arbeitslosenversicherung und Pensionskasse — steht im Beitrag zu den Sozialabgaben in Liechtenstein. Die Steuerseite behandelt der Beitrag zu den Steuern für Arbeitnehmer.
Die Alternative: hier arbeiten, nebenan wohnen
Das ist der Normalfall, nicht die Notlösung. Mehr als die Hälfte aller Menschen, die in Liechtenstein arbeiten, wohnen nicht hier — und diese Zahl wächst seit Jahrzehnten.
Anteil der Zupendler an allen in Liechtenstein Beschäftigten, 2024 — in absoluten Zahlen 24'943 Personen
Regierung des Fürstentums Liechtenstein, Wirtschafts- und Finanzdaten zu Liechtenstein, Ausgabe 20261990 waren es rund 7'100 Einpendler, 2000 etwa 11'500, 2024 dann 24'943. Von ihnen kamen 61 Prozent aus der Schweiz und 35 Prozent aus Österreich. Zum Vergleich: In Liechtenstein selbst leben 41'237 Menschen (Stand 31.12.2025) — die Zahl der Einpendler entspricht also gut 60 Prozent der gesamten Wohnbevölkerung.
Als Grenzgänger brauchst du keine Aufenthaltsbewilligung und kein Los, sondern eine Grenzgängermeldebestätigung. Sie ist beim Ausländer- und Passamt zu beantragen, und zwar spätestens zehn Tage nach Aufnahme der Beschäftigung — also nicht vorher. Wie das abläuft, was es kostet und was steuerlich gilt, steht ausführlich im Beitrag für Grenzgänger in Liechtenstein.
Finanziell ist das oft die bessere Rechnung: Du verdienst liechtensteinische Löhne, zahlst aber Miete am Wohnort. Was am Ende netto übrig bleibt, kannst du mit unserem Grenzgänger-Rechner für Österreich, die Schweiz und Liechtenstein durchspielen.
Welcher Weg passt zu dir?
Die Entscheidung fällt selten frei — meistens entscheidet das Kontingent. Trotzdem lohnt sich der nüchterne Vergleich, bevor du dich bewirbst:
- Zuziehen lohnt sich, wenn du langfristig planst: nach fünf Jahren steht das Daueraufenthaltsrecht, nach drei Jahren darfst du sogar auswärts arbeiten und hier wohnen bleiben. Du zahlst dafür die höchsten Mieten der Region und deine Krankenkasse selbst.
- Einpendeln geht sofort, ohne Kontingent und ohne Los. Du verdienst in Liechtenstein und wohnst dort, wo der Wohnraum günstiger ist — dafür pendelst du täglich und hast eine Steuersituation über zwei Länder.
- Beides nacheinander ist der häufigste reale Weg: erst einpendeln, arbeiten, und sich parallel um eine Bewilligung bemühen.
Was in beiden Fällen zuerst kommt, ist die Stelle. Ohne mehr als einjährigen Arbeitsvertrag gibt es keine Bewilligung, und ohne Anstellung auch keine Grenzgängermeldebestätigung. Offene Stellen findest du bei uns nach Gemeinde sortiert — etwa in Vaduz oder Schaan — oder gebündelt unter allen Stellen in Liechtenstein. Dieser Artikel ersetzt keine ausländerrechtliche Beratung; verbindlich ist das Ausländer- und Passamt.
Häufige Fragen
- Kann ich als Deutscher oder Österreicher nach Liechtenstein ziehen?
- Nur mit einer Aufenthaltsbewilligung, und die ist kontingentiert. Pro Jahr vergibt die Regierung 28 Bewilligungen an erwerbstätige EWR-Bürger im ordentlichen Verfahren und 28 weitere per Auslosung. Ein Arbeitsvertrag allein genügt nicht.
- Wie funktioniert die Verlosung der Aufenthaltsbewilligungen?
- Sie läuft nach Art. 37 des Personenfreizügigkeitsgesetzes zweistufig, mit Vor- und Schlussauslosung, und wird periodisch vom Ausländer- und Passamt durchgeführt. Wer gezogen wird, muss das Recht innert sechs Monaten einlösen. Es ist höchstpersönlich und nicht übertragbar.
- Muss ich in Liechtenstein wohnen, um dort zu arbeiten?
- Nein, und die meisten tun es auch nicht. 2024 pendelten 24'943 Menschen ein, 57 Prozent aller Beschäftigten. Als Grenzgänger brauchst du keine Aufenthaltsbewilligung, sondern eine Grenzgängermeldebestätigung, die spätestens zehn Tage nach Aufnahme der Beschäftigung zu beantragen ist.
- Was kostet eine Wohnung in Liechtenstein?
- Nach der jüngsten amtlichen Erhebung zum 31.12.2020 kostete eine 4-Zimmer-Wohnung im Schnitt CHF 1'963 brutto im Monat, über alle Grössen CHF 1'747. Die durchschnittliche Nettomiete lag 18 Prozent über dem Schweizer Wert. Mietpreise werden nur alle fünf Jahre erhoben.
- Brauche ich eine liechtensteinische Krankenkasse?
- Ja, sobald du hier Wohnsitz nimmst. Die obligatorische Krankenpflegeversicherung kostet Erwachsene 2026 zwischen CHF 378.00 und CHF 414.70 im Monat ohne Unfalldeckung, je nach Kasse. Dazu kommt eine Kostenbeteiligung von höchstens CHF 1'400 im Jahr.
Quellen
- Personenfreizügigkeitsgesetz (PFZG), LR 152.21 — Art. 10, 20, 24, 37 und 58
- Regierung des Fürstentums Liechtenstein — Kleine Anfrage «Aufenthaltsbewilligung bei Erwerbstätigkeit», 05.12.2025
- Amt für Statistik Liechtenstein — Mietpreise 2020 (Volkszählung, Stichtag 31.12.2020)
- Amt für Gesundheit — Prämienübersicht 2026, obligatorische Krankenpflegeversicherung
- Regierung des Fürstentums Liechtenstein — Wirtschafts- und Finanzdaten zu Liechtenstein, Ausgabe 2026
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